… für unser finanzielles Überleben

Während des Webinars Modul 3: Nachhaltigkeit im Design

erreichte uns folgende Frage von Jen Fritsch / Gestaltung mit Haltung aus Frankfurt am Main:

»Wir leben in Deutschland in einer Überflussgesellschaft. Im Design geht es ja — in der traditionellen Interpretation — per se darum, etwas zu ERSCHAFFEN, das konsumiert wird. Ich gelange jedoch immer mehr zur Erkenntnis, dass es in einem ganzheitlich gedachten, nachhaltigen Lebensstil darum geht, auch NICHT zu produzieren, wenn etwas nicht notwendig ist. Oder: Bedarf weniger Konsum nicht auch weniger Produktion?

Wie positionieren wir uns bei einem Auftrag zwischen (1) „Notwendigkeit des Produkts für den Planeten“ und (2) „Notwendigkeit des Jobs für unser finanzielles Überleben“, ohne dabei Kompromisse eingehen zu müssen …?«

Uns schien die Frage zu bedeutend um sie kurz zu beantworten.

Hallo Jen,

Überflussgesellschaft und Designer

Im Design geht es nicht per se darum etwas zu erschaffen das konsumiert wird.

Beim Designen resp. Gestalten geht es um Ästhetik, Funktion, Inhalt, Sehnsucht, Kommunikation … Nach Klaus Krippendorff »gibt Design den Dingen ihren Sinn«.

Dass Design in der letzten Zeit auf das »Geschäftemachen« (Verkaufen) reduziert wurde, ist dem Marketing zu verdanken, da Design als Verkaufsargument herhalten musste und immer noch muss. Und die Designer haben sich damit auch sehr wohl gefühlt.

Victor Papanek stellte uns schon 1971 ein schlechtes Zeugnis aus, als er in seinem Vorwort zum Buch »Design for the Real World« schrieb »Es gibt viele Berufe, die mehr Schaden anrichten als der des Industriedesigners, aber viele sind es nicht. Verlogener ist wahrscheinlich nur noch ein Beruf: Werbung zu machen, die Menschen davon zu überzeugen, dass sie Dinge kaufen müssen, die sie nicht brauchen, um das Geld [auszugeben], das sie nicht haben, damit sie andere beeindrucken, denen das egal ist, – das ist vermutlich der schlimmste Beruf, den es heute gibt.«

Wir aber wissen: Design kann viel mehr (Siehe Webinar Modul 1: Ausweitung der Designzone) und Designer stellen sich ihrer Verantwortung.

Und ja, in einem ganzheitlich gedachten, nachhaltigen Lebens- und Gestaltungsstil geht es auch um Verzicht (nicht zu produzieren oder mit weniger Ressourcenverbrauch). Darüber hinaus sind auch Effektivität (die richtigen Dinge tun) und Konsistenz (Kreislaufwirtschaft gegen Substanzverzehr) Strategien bei der nachhaltigen Entwicklung.

Wie verhalten wir uns bei schwierigen Entscheidungen?

Als erstes, das Produkt kann nichts dafür. Die Verantwortung liegt zuerst beim Auftraggeber.

Zweitens: Wir als Designer wissen, dass es zwischen Schwarz und Weiß noch zig andere Farben gibt.

Also sollten wir zwischen den Positionen des Auftraggebers und unserer versuchen zu vermitteln, eine Lösung finden, die beiden gerecht wird. Meist sind die Auftraggeber nicht dogmatisch, sondern brauchen einen kreativen Input um über ihren Schatten zu springen, um ihre Chancen zu erkennen.
Vielleicht kann diese Zwischenposition auch auf einen Konsens oder sogar eine Win-Win-Lösung hinauslaufen. (Dabei sollte man beachten, dass keine grundlegenden, z. B. moralisch-ethischen Grundsätze zur Disposition gestellt werden.)

Also zurück zur Frage: Kompromisse sind nicht per se schlecht. Mit dem Auftraggeber ins Gespräch zu kommen, um nach anderen Lösungen, auch Kompromisse genannt, zu suchen, kann auch nicht schlecht sein. Wir sind die kreativen Köpfe und bieten unseren Auftraggebern neue, überraschende, nachhaltige Lösungen an.

Wie sagte es Manfred Kröplin (Grafik-Designer, Werbeleiter bei IBM …) so schön: »Ohne Haltung ist alles nur Geschiebe.«

Weitere Details, Anregung und Anleitung u. a. zum Business Modelling, zum Management von Kundenbeziehungen, zur Positionierung erhaltet ihr in den kommenden Webinaren und Workshops.

Gestalte mit Stolz und Leidenschaft
Euer Christhard »Otto« Landgraf