Nachhaltigkeit im Design …

Alles redet von Nachhaltigkeit. Was ist das für Design/er mehr als Öko-Papier? Geht es ohne wirtschaftliche Nachteile für mich? Was haben meine Kunden und ich davon?

Was ist Nachhaltigkeit?

Was heißt nachhaltig? Es ist ein unscharfer Begriff.
Nachhaltig steht im Allgemeinen für: anhaltend, auf lange/längere Sicht, dauerhaft, eindringlich, einschneidend, entscheidend, entschieden, fortgesetzt, fortwährend, fühlbar, für lange/längere Zeit, merklich, spürbar, wirksam und in der Wirtschaft und Forstwissenschaft für das Handeln nach den Prinzipien der Nachhaltigkeit.

Also müssen wir uns den Begriff erst einmal klar machen.

Seit über 300 Jahren ist der Begriff »Nachhaltigkeit« in der Welt. Er hat verschiedene Entwicklungen vollzogen. 1713 prägte Hans Carl von Carlowitz, ein sächsischer Oberberghauptmann den forstwirtschaftlichen Nachhaltigkeitsbegriff in seinem Buch »Sylvicultura Oeconomica«. Er schrieb es anläßlich der Energiekrise zur Zeit Friedrich August I. von Sachsen, häufig genannt August der Starke. Die Erzgruben und Schmelzhütten des Erzgebirges (damals eines der größten Montanreviere Europas) mussten mit viel Holz als Energiequelle versorgt werden. Zudem trugen das Bevölkerungs- und Städtewachstum stark zur „Holznot“ bei. Ein geregelter Waldbau sowie Gesetze, Ökostandards oder Zertifizierungen zur Aufforstung existierten nicht. Von Carlowitz‘ Forderung: Nur soviel Holz einschlagen, wie auch nachwächst, sollte eine kontinuierliche Holzversorgung gewährleisten.

1992 wurde die Agenda 21, ein entwicklungs- und umweltpolitisches Aktionsprogramm für das 21. Jahrhundert, ein Leitpapier zur nachhaltigen Entwicklung, von 172 Staaten auf der Konferenz für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen (UNCED) in Rio de Janeiro beschlossen.

Am 25. September 2015 verabschiedeten die 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen die Agenda 2030 und die 17 Ziele nachhaltiger Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs). Damit erschufen sie gleichzeitig die weltweit anspruchsvollsten Gestaltungsvorgaben.

Das Oslo Manifesto (DE: PDF) übersetzt die 17 Ziele nachhaltiger Entwicklung in den Verantwortungsbereich von Designer und Architekten.

Was ist Ökopapier?

Die Bezeichnung Ökopapier ist so schwammig also ungenau wie unter anderem auch Design und Nachhaltigkeit (s. o.).
Bei Design sind wir dabei zu differenzieren, bei Nachhaltigkeit versuchen wir es mit Spezifizierung (nachhaltige Entwicklung, langandauernde Entwicklung …), bei Papier lohnt sich ebenfalls eine Differenzierung.
Die Differenzierung bei Papier und auch Karton kann folgendermaßen geschehen:

  • Ausgangsstoff/Papierrohstoff
  • Verarbeitung des Ausgangsstoffes (Energiebedarf, Schadstoffe …)
  • Veredlung: Streichfarbe, Lacke, Folienkaschierungen, Prägungen, Durchfärbung …
  • Druckprozess

Kriterien zur Auswahl von Papieren und Papierlabel im Vergleich (PDF)

Habe ich durch nachhaltiges Wirtschaften Nachteile?

Steigende Rohstoffpreise durch knappe Ressourcen werden jeden treffen. D. h., ein schonender Umgang mit den materiellen Ressourcen ist unumgänglich. Und jeder kann dazu etwas beitragen.

Wird zum Beispiel absolut weniger produziert, weniger Seiten in der Broschüre, kleinere Stühle, kürzere Kleider … und dein Geschäftsmodell, dein Honorar, ist vom Ressourcenverbrauch abhängig (du wirst nach Stuhlgröße bezahlt), hast du mit Problemen zu rechnen.
Lässt du dich dagegen für deine Problemlösung bezahlen, können sogenannte öko-intelligente kreative (Einspar-)Lösungen, die für einen höheren Nutzen beim Auftraggeber und beim Endkunden sorgen, sogar ein höheres Honorar rechtfertigen.

Was haben meine Kunden davon?

  • Einhalten von gesetzlichen Vorgaben: CSR-Berichterstattung, Entsorgung/Recycling …
  • Genügen von gesellschaftlichen Anforderungen: Verändertes Konsumentenverhalten
  • Design ist auch immer Kommunikation:
    – Positionierung im Wettbewerb
    – Imagebildung
    – Kundenbindung und -gewinnung
    – Mitarbeiterzufriedenheit
  • besseres Nutzen-Kosten-Verhältnis
  • nicht zuletzt: ein gutes Gewissen

Zum Nachdenken: Eine wahre Geschichte

Bei der Entwicklung eines Corporate Design haben wir vorgeschlagen,  Recyclingpapier als festen Bestandteil aufzunehmen. Auf die Frage des AG »Warum?« habe ich geantwortet: »Sie haben doch zwei kleine Kinder. Was werden Sie denen antworten, wenn sie in einigen Jahren fragen, was Sie zum Umweltschutz beigetragen haben?« Seine Antwort: »So habe ich das noch nicht gesehen. Vielen Dank. Das machen wir so. Und kann ich noch mehr tun?«

Spickdeckel Nachhaltigkeit (Anleitung und Bierdeckel als PDF) 

Interessantes und Wissenswertes zur Arbeit von Designern in der ausgeweiteten Designzone findet ihr in den Mitschnitten der beiden ersten Webinare unseres Bildungsprogramms Design macht: Business (Modul 1 und Modul 2 ).

Details und weitere Anregungen zu Nachhaltigkeit im Design erfahrt Ihr in Modul 3:

Modul 3_ Nachhaltigkeit im Design from AGD | Allianz deutscher Designer on Vimeo.

Noch weitere Details, Anregung und Anleitung u. a. zum Business Modelling, zum Management von Kundenbeziehungen, zur Positionierung erhaltet ihr in den kommenden Webinaren und Workshops.